Bewegungstherapie beim Hund

Bewegung ist Therapie, wenn sie zum Hund passt.

Gezielte Bewegung kann helfen, Beweglichkeit zu erhalten, Muskulatur wieder aufzubauen, Koordination zu verbessern und Bewegungsabläufe neu zu schulen. Entscheidend ist dabei nicht möglichst viel Bewegung, sondern die richtige Bewegung in der richtigen Dosierung.

Je nach Befund kann Bewegungstherapie passiv, assistiert oder aktiv erfolgen. Welche Form sinnvoll ist, hängt davon ab, was dein Hund aktuell selbst leisten kann und welches therapeutische Ziel erreicht werden soll.

Zu den Bewegungstherapien: Passiv Assistiert Aktiv
Hund bei einer aktiven Bewegungstherapie in der Hundephysiotherapie
Kraft · Koordination · Beweglichkeit · Körperwahrnehmung

Mehr als einfach nur Bewegung

Therapeutische Bewegung verfolgt ein Ziel.

Ein Spaziergang ist Bewegung. Aufstehen, Hinsetzen, über eine Stange steigen oder das Gewicht bewusst auf eine bestimmte Gliedmaße zu verlagern ebenfalls. In der Bewegungstherapie werden solche Bewegungen jedoch nicht zufällig ausgeführt, sondern gezielt ausgewählt, angepasst und dosiert.

Das kann nach einer Operation wichtig sein, wenn ein Hund eine Gliedmaße über Wochen geschont hat. Bei neurologischen Erkrankungen kann es darum gehen, Bewegungsabläufe und Körperwahrnehmung immer wieder anzubahnen. Bei älteren Hunden steht häufig im Vordergrund, vorhandene Kraft, Stabilität und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Deshalb gibt es nicht die eine Übung für eine bestimmte Diagnose. Zwei Hunde mit demselben Befund können an völlig unterschiedlichen Punkten stehen und entsprechend unterschiedliche Übungen benötigen.

GezieltDie Übung richtet sich nach Befund und Therapieziel.
DosiertBelastung und Wiederholungen werden an den Hund angepasst.
KontrolliertBewegungsqualität ist wichtiger als möglichst viele Wiederholungen.
Passive Bewegungstherapie beim Hund
01 · Passive Bewegungstherapie

Wenn der Hund die Bewegung noch nicht selbst ausführt

Bei der passiven Bewegungstherapie bewege ich ein Gelenk beziehungsweise eine Gliedmaße für den Hund. Die Muskulatur des Hundes erzeugt die Bewegung dabei nicht aktiv. Das Gelenk wird kontrolliert innerhalb des individuell möglichen und verträglichen Bewegungsumfangs bewegt.

Passive Bewegungen kommen beispielsweise infrage, wenn ein Hund nach einer Operation oder Verletzung noch nicht ausreichend aktiv belasten darf oder kann, wenn Beweglichkeit eingeschränkt ist oder wenn bei neurologischen Patienten aktive Bewegungen noch nicht zuverlässig möglich sind.

Das Durchbewegen kann dazu beitragen, vorhandene Gelenkbeweglichkeit zu erhalten, einer zunehmenden Steifigkeit entgegenzuwirken und die Beweglichkeit von gelenknahen Strukturen zu unterstützen. Bewegung fördert außerdem die Verteilung der Gelenkflüssigkeit und damit den Stoffaustausch an den Knorpelflächen.

Typische Ziele können sein:

  • den vorhandenen Bewegungsumfang eines Gelenks erhalten oder schrittweise verbessern
  • Gelenkkapsel und umgebende Weichteile beweglich halten
  • Bewegung nach Schonung oder Immobilität wieder vorbereiten
  • sensorische Reize setzen und Körperwahrnehmung unterstützen
  • eine Grundlage für assistierte und später aktive Bewegung schaffen

Passive Bewegung ersetzt allerdings keinen aktiven Muskelaufbau. Sobald der Hund sinnvoll selbst mitarbeiten kann, wird die Therapie deshalb entsprechend erweitert.

Assistierte Bewegungstherapie bei einem Hund
02 · Assistierte Bewegungstherapie

Der Hund arbeitet mit, bekommt aber Unterstützung

Die assistierte Bewegungstherapie liegt zwischen passiver und vollständig aktiver Bewegung. Der Hund führt die Bewegung selbst aus, erhält aber genau so viel Unterstützung, wie er benötigt. Das kann bedeuten, beim Stehen Gewicht abzunehmen, eine Gliedmaße gezielt zu führen, Gleichgewicht zu sichern oder Bewegung unter reduzierter Gewichtskraft zu ermöglichen.

Diese Form ist besonders wertvoll bei Hunden, die noch nicht sicher oder nicht lange selbstständig stehen und gehen können. Dazu gehören beispielsweise Patienten nach größeren Operationen, Hunde mit deutlichem Muskelabbau sowie neurologische Patienten, deren Kraft, Koordination oder Stellreaktionen eingeschränkt sind.

Unterstützung kann durch meine Hände, geeignete Hilfsmittel oder auch durch den Auftrieb im Wasser erfolgen. Ziel ist nicht, dem Hund die Arbeit abzunehmen. Er soll so viel wie möglich selbst leisten, ohne dass Überforderung oder ein ungünstiges Bewegungsmuster die Übung bestimmt.

Dabei kann gezielt gearbeitet werden an:

  • Belastungsübernahme und sicherem Stand
  • Muskelaktivierung und zunehmender Kraft
  • Gleichgewicht und Rumpfstabilität
  • Koordination und Propriozeption
  • Übergängen wie Aufstehen, Hinsetzen und ersten kontrollierten Schritten
  • der Vorbereitung auf zunehmend selbstständige Bewegung
Aktive Bewegungstherapie mit einem Hund in der Praxis
03 · Aktive Bewegungstherapie

Selbst bewegen, aber nicht einfach irgendwie

Bei der aktiven Bewegungstherapie führt der Hund die Übungen selbstständig aus. Damit lässt sich sehr gezielt an Kraft, Ausdauer, Koordination, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung arbeiten. Gleichzeitig können Bewegungsmuster beeinflusst werden, die sich durch Schmerzen, Schonung oder längere Inaktivität verändert haben.

Zum Einsatz kommen je nach Hund und Therapieziel beispielsweise Cavaletti, Pylonen, unterschiedliche Untergründe, Gewichtsverlagerungen, kontrollierte Wendungen, Schrittfolgen oder Übungen für Übergänge zwischen Sitzen, Stehen und Gehen. Auch ganz unspektakuläre Bewegungen können therapeutisch anspruchsvoll sein, wenn sie langsam, sauber und mit gezielter Belastung ausgeführt werden.

Gerade nach längeren Schonphasen reicht es nicht, einen Hund einfach wieder mehr laufen zu lassen. Kondition kann schneller zurückkommen als gezielte Muskelkraft, Stabilität und ein gleichmäßiges Bewegungsmuster. Deshalb wird Belastung schrittweise gesteigert.

Aktive Übungen können unter anderem eingesetzt werden für:

  • gezielten Muskelaufbau und Verbesserung der Belastbarkeit
  • Koordination, Gleichgewicht und Propriozeption
  • Stabilität von Rumpf und Gliedmaßen
  • Gangbildschulung und kontrollierte Belastungsübernahme
  • Erhalt von Mobilität und Kraft bei Seniorenhunden
  • schrittweisen Wiedereinstieg nach Operation, Verletzung oder längerer Schonung

Die Dosis macht die Therapie

Mehr ist nicht automatisch besser.

Therapeutische Übungen sollen einen sinnvollen Reiz setzen. Ist der Reiz zu gering, passiert wenig. Ist er zu groß, kann der Hund ermüden, ausweichen oder wieder stärker kompensieren. Deshalb schaue ich nicht nur darauf, ob ein Hund eine Übung schafft, sondern vor allem darauf, wie er sie ausführt.

AusgangslageDiagnose, Schmerz, Kraft, Beweglichkeit und neurologischer Status bestimmen, was aktuell möglich ist.
BewegungsqualitätSaubere kontrollierte Bewegung zählt mehr als möglichst viele Wiederholungen.
BelastungssteigerungSchwierigkeit, Dauer und Wiederholungen werden schrittweise angepasst.
Reaktion danachAuch die Belastbarkeit nach der Übung und am Folgetag gehört zur Beurteilung.

Wann Bewegungstherapie sinnvoll sein kann

Vom ersten kontrollierten Schritt bis zum gezielten Muskelaufbau

Bewegungstherapie ist kein einzelnes Verfahren für eine einzelne Diagnose. Sie lässt sich an sehr unterschiedliche Ausgangssituationen anpassen und ist deshalb ein zentraler Bestandteil vieler physiotherapeutischer Behandlungspläne.

Nach Operationen

Nach orthopädischen oder neurologischen Eingriffen geht es häufig darum, Beweglichkeit zu erhalten, Belastung kontrolliert wieder aufzubauen, Muskelabbau entgegenzuwirken und den Hund schrittweise in eine funktionelle Bewegung zurückzuführen.

Neurologische Erkrankungen

Bei Erkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall können je nach neurologischem Status passive Bewegungen, unterstütztes Stehen und Gehen sowie später Koordinations- und Gleichgewichtsübungen Bestandteil der Rehabilitation sein.

Seniorenhunde

Im Alter stehen häufig Kraft, Stabilität, Beweglichkeit und die Fähigkeit im Vordergrund, alltägliche Bewegungen möglichst lange selbstständig bewältigen zu können.

Arthrose und Gelenkerkrankungen

Kontrollierte, individuell angepasste Bewegung kann helfen, Gelenkfunktion und Muskulatur zu erhalten. Belastungsspitzen und Überforderung sollen dabei vermieden werden.

Muskelabbau und Schonhaltung

Nach Schmerzen, Verletzungen oder längerer Inaktivität entstehen schnell Ausweichbewegungen. Gezielte Übungen helfen dabei, betroffene Muskelgruppen wieder einzubeziehen und Belastung gleichmäßiger zu verteilen.

Koordinationsprobleme

Bei unsicherem Stand, verzögerten Stellreaktionen oder einem veränderten Gangbild können Übungen für Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und kontrollierte Bewegungsabläufe eingesetzt werden.

Übungen für zu Hause

Ein guter Therapieplan endet nicht an der Praxistür.

Ein Teil der aktiven Bewegungstherapie lässt sich in den Alltag integrieren. Das kann sehr sinnvoll sein, weil regelmäßige kurze Übungseinheiten häufig besser umsetzbar sind als seltene lange Trainingseinheiten.

Aber: Nicht jede Übung passt zu jedem Hund. Entscheidend sind Diagnose, Heilungsphase, Belastbarkeit und die Qualität der Ausführung. Deshalb zeige ich Übungen so, dass du weißt, worauf du achten sollst und wann eine Übung angepasst oder beendet werden sollte.

kurz und regelmäßig statt selten und zu viel
wenige passende Übungen statt eines ganzen Fitnessprogramms
saubere Ausführung vor Wiederholungszahl
an Fortschritt und Tagesform anpassen

Hundephysiotherapie in Haan

Bewegung soll nicht nur stattfinden. Sie soll etwas bewirken.

Welche Übungen für deinen Hund sinnvoll sind, richtet sich nach Befund, Diagnose, aktueller Belastbarkeit und Therapieziel. Bewegungstherapie kann dabei allein oder in Kombination mit manueller Therapie, Unterwasserlaufband, Elektrotherapie oder anderen physiotherapeutischen Maßnahmen eingesetzt werden.

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