Nervenleitung
Mittelfrequente Ströme können das elektrophysiologische Verhalten erregbarer Nervenstrukturen beeinflussen.
In meiner Praxis arbeite ich ausschließlich mit Mittelfrequenz-Elektrotherapie. Sie unterscheidet sich technisch und in ihren physiologischen Wirkmechanismen deutlich von klassischen niederfrequenten Reizstromverfahren wie TENS oder EMS.
Mittelfrequenz-Elektrotherapie wird je nach Befund für unterschiedliche therapeutische Ziele eingesetzt. Sie kann die elektrische Reizverarbeitung und Reizweiterleitung von Nerven beeinflussen, Muskulatur gezielt aktivieren oder ihre Spannung verändern. Durch die besonderen physikalischen Eigenschaften mittelfrequenter Ströme können dabei auch tiefer liegende Strukturen erreicht werden, ohne die Haut unnötig stark zu reizen.
Gerade bei neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel nach einem Bandscheibenvorfall, kann MET deshalb ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation sein. Was genau dabei im Körper passiert und warum die gewählten Einstellungen entscheidend sind, kannst du dir hier genauer ansehen.
Mittelfrequente Ströme können das elektrophysiologische Verhalten erregbarer Nervenstrukturen beeinflussen.
Muskulatur kann gezielt aktiviert und die Muskelspannung abhängig vom Therapieziel beeinflusst werden.
Der geringere kapazitive Hautwiderstand bei höheren Frequenzen ermöglicht therapeutisch nutzbare Stromstärken bei guter Verträglichkeit.
Besonders bei Bandscheibenerkrankungen und Störungen neuromuskulärer Funktionen ist MET für mich ein wichtiger Therapiebaustein.
Nach Bandscheibenerkrankungen und anderen neurologischen Schädigungen kann das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskulatur erheblich gestört sein. Ein Muskel kann grundsätzlich noch zur Kontraktion fähig sein und trotzdem nicht mehr so angesteuert werden, wie es für eine koordinierte Bewegung notwendig wäre.
Hier nutze ich MET als Bestandteil der neurologischen Rehabilitation. Das Ziel richtet sich nach dem neurologischen Befund: vorhandene neuromuskuläre Funktionen ansprechen, Muskelaktivität beeinflussen, unerwünschte Aktivität hemmen oder Muskulatur gezielt aktivieren.
TENS, EMS und Mittelfrequenz-Elektrotherapie werden häufig unter dem Begriff Elektrotherapie zusammengefasst. Die Verfahren unterscheiden sich jedoch in ihren Stromformen, Parametern und therapeutischen Möglichkeiten.
Gerade bei neurologischen Erkrankungen gilt: Mehr elektrische Reizung bedeutet nicht automatisch bessere Nervenfunktion.
Bei Bandscheibenerkrankungen, Lähmungserscheinungen und anderen neurologischen Problemen empfehle ich deshalb keine eigenständige Anwendung handelsüblicher TENS- oder EMS-Geräte ohne vorherige fachliche Beurteilung.
Ob Elektrotherapie sinnvoll ist und mit welchen Einstellungen gearbeitet wird, hängt immer vom physiotherapeutischen und neurologischen Befund ab.
Nerven kommunizieren selbst über elektrische Vorgänge. Veränderungen des Membranpotenzials bestimmen darüber, ob und wie Aktionspotenziale entstehen und weitergeleitet werden.
Mittelfrequente elektrische Ströme können diese Vorgänge beeinflussen. Bei entsprechend hohen Frequenzen kann die Repolarisation einer Nervenmembran vorübergehend verändert und die Weiterleitung von Aktionspotenzialen reversibel gehemmt werden. Dieses Phänomen wird als High-Frequency Electrical Conduction Block beschrieben.
Das kann therapeutisch relevant sein, wenn unerwünschte neuronale beziehungsweise muskuläre Aktivität funktionelle Bewegung behindert.
Mit entsprechenden Einstellungen lässt sich Muskelaktivität gezielt beeinflussen. Eine Kontraktion kann kontrolliert aufgebaut und in ihrer Intensität dosiert werden.
Das ist besonders interessant, wenn Muskulatur nach einer Operation, längerer Immobilität oder aufgrund neurologischer Einschränkungen nicht ausreichend aktiv eingesetzt wird. Je nach Therapieziel kann auch eine unerwünscht erhöhte Muskelaktivität beeinflusst werden.
Die elektrische Behandlung ersetzt dabei nicht die aktive Bewegung. Ziel ist, die gewonnene oder unterstützte Funktion anschließend wieder in möglichst funktionelle Bewegungsabläufe zu übertragen.
Die elektrische Leitfähigkeit des Körpers und der Widerstand der Haut beeinflussen, wie therapeutischer Strom wirkt. Mit zunehmender Frequenz sinkt der kapazitive Widerstand der Haut.
Dadurch können mittelfrequente Ströme mit vergleichsweise geringer oberflächlicher Reizung eingesetzt werden. Das ermöglicht therapeutisch nutzbare Stromstärken und ist ein Grund für die gute Akzeptanz der Behandlung.
Bei neurologischen Patienten ist entscheidend, welche Funktionen noch vorhanden sind und welche Funktion therapeutisch beeinflusst werden soll.
Das Behandlungsziel kann deshalb – abhängig vom Befund – Aktivierung oder Hemmung sein. MET ist dabei ein Baustein der Rehabilitation und wird mit funktioneller Bewegungstherapie kombiniert.
Gerade bei Bandscheibenerkrankungen nutze ich die MET deshalb nicht nach Schema F, sondern passe Elektrodenanlage und Behandlung an Befund und Therapieziel an.